Meine nützlichsten Android-Apps

Fünf Monate sind seit meinem Umstieg auf Android vergangenen und ich habe einige Apps entdeckt, die ich für besonders nützlich halte und hier vorstellen möchte. Alle Apps ohne Preisangabe sind kostenlos.

Die Nützlichsten

  • Tasker (4,49 EUR, Automatisierung so ziemlich aller Funktionen)
  • Jorte (schöner Kalender mit Widgets)
  • Swype (alternative Tastatur)
  • WidgetLocker (2,25 EUR, Sperrbildschirm anpassen)
  • WhatsApp (kostenloser SMS-Ersatz)
  • Read It Later (komfortables Lesen von für später vorgemerkten Inhalten)
  • Astrid (To-Do-Liste, verknüpfbar mit Remember the Milk)
  • Navigon (ab 50 EUR, Navigationssystem)
  • Tape-a-Talk (Sprachrecorder)

Mit Tasker kann ich durch alle möglichen vom Gerät feststellbaren Bedingungen automatisch verschiedenste Aktionen ausführen lassen. Ich habe zum Beispiel eingestellt, dass in der Firma (per GPS ermittelt) automatisch auf Vibration umgeschaltet und zu Hause sowie unterwegs ein Klingelton verwendet wird. Auch das WLAN schaltet sich beim Verlassen der Wohnung automatisch aus, um Akku zu sparen. Die Applikation bietet sehr viel und die Komplexität führt zu einem recht hohen Einrichtungsaufwand für die Umsetzung der eigenen Wünsche. Wenn es aber mal eingerichtet ist, läuft alles sehr bequem.
Jorte ist ein sehr schön anzusehender und übersichtlicher Kalender, der auch verschiedene Widgets mitbringt. Ich brauche also die App überhaupt nicht zu starten und kann mir direkt durch Widgets die Termine des jeweiligen Tages oder auch des ganzen Monats ansehen. Das sieht dann in etwa so aus:

Jorte

Da mir Sicherheit wichtig ist und im Smartphone sehr viele persönliche Daten von mir sind, habe ich einen Sperrcode konfiguriert. Damit ich für die grundlegendsten Informationen aber den Code nicht eingeben muss, habe ich mir WidgetLocker installiert. Die App tauscht den normalen wenig anpassbaren Sperrbildschirm gegen ein komplett konfigurierbares Pendant aus. Ich lasse mir dort durch Widgets unter anderem eine Übersicht der am jeweiligen Tag anstehenden Termine und weitere Informationen zum Datenverbrauch anzeigen. Für den Fall, dass das Smartphone in fremde aber wohlwollende Hände fallen sollte, werden auch Kontaktdaten von mir (via OwnerInfo) angezeigt, damit man zumindest die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme hat – das wäre ansonsten aufgrund des Sperrcodes ziemlich schwer. Außerdem kann ich von diesem Sperrbildschirm direkt die wichtigsten Apps starten, wofür dann aber natürlich der Code notwendig ist. So sieht das dann bei mir aus:

WidgetLocker

Die Texteingabe wird durch die alternative Tastatur Swype beschleunigt. Durch das Zeichnen einer Linie über die Tastatur können ganze Wörter ohne Absetzen des Fingers sehr schnell geschrieben werden. Das Ganze erfordert anfangs etwas Übung und aufgrund des Beta-Stadiums sind auch die Updates noch recht umständlich, aber es zahlt sich durch die beim Tippen gesparte Zeit auf jeden Fall wieder aus – und macht auch einfach Spaß. Hier ein Video dazu.

Mit WhatsApp kann ich an Besitzer anderer Smartphones (auch iPhones und Blackberrys), die ebenfalls die App installiert haben, Nachrichten, Bilder und meinen Standort senden. Die App betrachte ich als SMS-Killer, denn der Versand ist kostenlos und auch ohne die Zeichenbegrenzung. Es sind auch witzige Gruppenchats möglich und man sieht direkt den Übermittlungsstatus jeder Nachricht.

Mit Read It Later kann ich meine per Firefox-Addon für später vorgemerkten Links jederzeit fürs Smartphone optimiert lesen und auch als gelesen markieren. Somit kann ich auch ungeplante Wartezeiten sinnvoll mit interessantem Lesestoff füllen.

Über Remember the Milk habe ich ja schon vor längerer Zeit geschrieben und mit der App Astrid kann ich kostenlos mobil auf meine To-Dos zugreifen. Das finde ich auch sehr praktisch als Einkaufsliste, die stets aktuell und überall verfügbar ist.

Navigon ist ein hervorragendes (wenn auch teures) Navigationssystem. Durch die Verknüpfung mit dem Adressbuch ist die besonders nette Option “Navigieren zu Kontakt” möglich, ohne dass ich extra die Zieladresse eingeben müsste.

Mit Tape-a-Talk kann ich sehr schnell Sprachnotizen aufnehmen, wenn mir unterwegs irgendetwas einfällt. Dies geht deutlich schneller als das Eintippen und ich kann sie zu Hause bei Gelegenheit abhören und entweder direkt erledigen oder einen Task in Remember the Milk daraus machen.

weitere Empfehlungen

Hier noch eine kurze Liste weiterer bewährter Highlights – teilweise redundant zu meinem letzten Artikel. Offensichtliche Apps wie z. B. Facebook habe ich bewusst rausgelassen.

Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren der Apps und freue mich auch immer über weitere Empfehlungen.

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Der große Schritt zum Android-Smartphone

Okay, ich gebe es ja zu: Ich war schon etwas altmodisch im Jahr 2011 mit meinem zwei Jahre alten Smartphone unter Windows Mobile 6.1. Aber das hatte auch irgendwie einen Grund. Als früher Smartphone-Besitzer (der noch nie ein gewöhnliches Mobiltelefon besessen hat) war ich eine gewisse Arbeitsweise mit Kalender, Kontaktdatensätzen und E-Mails gewohnt, die mit den in den letzten beiden Jahren erschienenen Smartphones nicht mehr zu funktionieren schien. Mir war klar, dass ich mich an vielen Punkten umstellen musste, was insbesondere aufgrund meiner Tendenz zum umfangreichen Personalisieren der verwendeten Tools viel Arbeit mit sich bringen würde. Wer sich dafür interessiert, kann die mittlerweile erfolgte Umstellung hier nachlesen.

Ausgangssituation

In Outlook hatte ich alle E-Mails der letzten 10 Jahre, einen von Regeln beherrschten Posteingang, in dem nur noch zu erledigende E-Mails verblieben, ein sehr gut gepflegtes Adressbuch mit manuell eingefügten Bildern der meisten Kontakte und einen farblich kategorisierten Kalender. Das ganze synchronisierte ich per USB aufs Smartphone und hatte so alle Daten seit dem letzten Sync immer dabei. Wichtig war unterwegs natürlich besonders der Kalender wegen der Erinnerungen an Termine und das Adressbuch – die bei eingehenden Anrufen erscheinenden Fotos waren sicher mehr eine Spielerei, aber dennoch sehr geschätzt.

Vorbereitung

Schon vor den grundlegendsten Überlegungen, welches Smartphone ich mir als nächstes anschaffen würde, war mir klar, dass sich in meiner ganzen bisherigen Vorgehensweise vieles ändern musste. Ich hielt es für besser, einiges davon schon vorab zu erledigen, um den eigentlichen Wechsel des Mobiltelefons zu vereinfachen.

Los ging es mit der Umstellung meines POP3-Postfachs auf IMAP. Bisher hatte ich alle E-Mails aus dem Postfach auf meinen Rechner heruntergeladen (mit Sync auf Windows Mobile und Backup auf USB-Platten) und dies musste ich nun ändern. Meiner Erfahrung nach bringt der Wechsel auf neue Technologien meist auch ein paar kleinere Nachteile mit, aber das Verlorengehen meiner ganzen E-Mail-Historie sollte nicht dazu gehören. Ich legte in Outlook ein zweites Konto für das gleiche Postfach mit dem Kontotyp IMAP an und kopierte einfach die ca. 21.000 heruntergeladenen E-Mails hinein und damit waren sie (nach langer Wartezeit) wieder auf dem Server. Soweit alles beim Alten – fast. Nach ein paar Tagen war ich mit Outlook als E-Mail-Programm nicht mehr so recht zufrieden. Die Umsetzung von IMAP ließ für mich einiges zu wünschen übrig, also sah ich mich nach einer Alternative um und kehrte nach vielen Jahren doch wieder zurück zum Thunderbird. Aber da war noch einiges zu tun, bevor ich Outlook loswerden konnte. Für den Import des Kalenders stellt Google zum Glück ein sehr praktisches Tool zur Verfügung. Die Kontakte musste ich aber von Outlook in eine CSV-Datei exportieren und hier waren leider nicht alle Details für den Export auswählbar, sodass ich die Fotos und einige Daten manuell nachpflegen musste – viel Arbeit.
Der zweite große Punkt war das jahrelang geliebte Netvibes. Ein umfangreiches Online-Dashboard, wo ich RSS-Feeds, Notizen, To-Do-Listen und einiges mehr zusammengeführt hatte. Ich war immer sehr zufrieden mit diesem Dienst, hatte ja auch einen Artikel darüber geschrieben, doch mit der neuen geplanten Arbeitsweise schien das alles nicht so richtig kompatibel zu sein. Ich wechselte deshalb mit den RSS-Feeds zum Google Reader (plus Farben) und mit den Notizen zu simplenote, sodass nur noch ein paar Widgets (z. B. für Tasks und Bookmarks) dort verblieben.

Startschuss

Als ich dann endlich mein Android-Smartphone in der Hand hielt, kam nach ein paar grundlegenden Einstellungen (E-Mail, Kalender, Kontakte und Facebook) schon viel Freude auf. Folgende Apps installierte ich noch in der ersten Woche:

Besonders zu erwähnen ist noch Navigon, das ich zwar auch unter Windows Mobile genutzt habe (auch wenn es nicht so richtig stabil lief), sich aber in der Zwischenzeit deutlich weiter entwickelt hat. AppBrain gefällt mir auch besonders gut, da dort die Apps sogar vom Rechner aus über den Webbrowser verwaltet werden können. Einige gute Apps waren auch bereits vorinstalliert und tauchen deshalb oben nicht auf (z. B. Facebook, Sprachsuche und Taschenlampe).
Natürlich verbrachte ich auch einige Zeit mit dem Personalisieren der Home Screens und platzierte dort die wichtigsten Apps und Widgets.

Erstes Fazit

Noch bevor ich viel Gelegenheit zum Einsatz der ganzen Apps hatte, ist mir schon alleine durch die Zusammenstellung der Liste klar geworden, wie viel mehr mir Android bietet. Die viele Arbeit – die ja auch durchaus Spaß gemacht hat – hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es liegt aber bestimmt auch noch viel vor mir.

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Facebook: Vorurteile, Tipps und Tricks

In meinen Augen ist Facebook nichts anderes als ein neues, revolutionäres Medium, das bessere Kommunikation mit sozialen Kontakten ermöglicht und Informationen aus verschiedenen Interessensgebieten zusammenfasst. Durch die fast ausschließlich negative Berichterstattung der alten Medien über dieses Thema (teilweise bestimmt aus Angst um deren eigene Existenz) habe ich schon einige Vorurteile gehört, auf die ich hier kurz eingehen möchte. Das Ganze versuche ich mit praktischen Tipps im Umgang mit Facebook zu verbinden, sodass sich das Lesen auch besonders für bestehende Benutzer des Social Networks lohnen sollte.

Vorurteil: “Das ist nur ein Haufen unnützer Informationen! Es interessiert mich nicht, was jemand zu Mittag gegessen hat!”

Dieses Argument ist vergleichbar damit, das Telefon generell zu verfluchen, weil man mal einen Werbeanruf erhalten hat. Außerdem bietet Facebook exzellente Möglichkeiten zur Lösung dieses Problems, was beim Telefon leider deutlich schwieriger ist. Es handelt sich um ein neues Medium, dessen persönlich empfundene inhaltliche Qualität ausschließlich von den selbst gewählten Kommunikationspartnern abhängt. Die meisten der eigenen Freunde werden bestimmt nicht über jedes Mittagessen informieren. Falls aber doch unerwünschte Einträge auftauchen, können sie ganz einfach über die entsprechende Person (wenn es eine Nervensäge ist) oder die entsprechende Applikation (wenn der Eintrag von einer Applikation stammt) dauerhaft ausgeblendet werden. Bei mir sind bereits die meisten der häufig verwendeten Applikationen ausgeblendet, was ganz einfach mit einem Klick auf das X und Auswahl der gewünschten Option zu machen ist.

Ausblenden

So einfach kann man sich der anfangs lästigen Nachrichten von Farmville, Glücksnuss usw. entledigen und sich dann auf die wirklich interessanten Inhalte konzentrieren. Das Ausblenden kann natürlich auch rückgängig gemacht werden (im News Feed ganz unten mit “Optionen bearbeiten”) und wenn ihr im Einzelfall doch mal alles sehen wollt, könnt ihr das Profil der jeweiligen Person besuchen, wo dann alles (inklusive der sonst ausgeblendeten Applikationen) angezeigt wird.

Im Gegensatz zu den Informationen, die bei den Meisten nicht auf Interesse stoßen, scheint Einigen aber auch einer der Hauptvorzüge des Social Networks noch nicht klar geworden zu sein. Die Informationen der eigenen Freunde sind nämlich nicht das Einzige, was im News Feed zusammengeführt wird. Jede Facebook-Seite kann an alle Benutzer, die via “Gefällt mir” Interesse am jeweiligen Thema gezeigt haben, Beiträge schreiben. Dies führt zu einem enormen Bündelungseffekt von interessanten Informationen, die sich jeder in seinem News Feed selbst aus Themen wie Firmen, Musik, Bücher, Filme, Sport und vielem mehr zusammenstellen kann. Die Ankündigung von bald stattfindenden Konzerten meiner Lieblingsbands wie auch Hintergrundinformationen zu meinen Fernsehserien und Sonderangebote von für mich interessanten Händlern finde ich sofort auf Facebook, ohne umständlich täglich all deren Websites auf der Suche nach Neuigkeiten besuchen zu müssen.

Vorurteil: “Mein Privatleben geht doch nicht die ganze Welt etwas an!”

Der Grundgedanke ist hier durchaus richtig, denn man sollte sich gut überlegen wer das eigene Profil ansehen und das selbst Geschriebene lesen kann. Allerdings gibt es auch hier Möglichkeiten, alles ganz genau wie gewünscht einzustellen. Das fängt sicher mit sinnvollen Privatsphäre-Einstellungen an, denn die Standards sind hier nicht zu empfehlen. Zu finden sind sie unter “Konto, Privatsphäre-Einstellungen, Benutzerdefinierte Einstellungen”. Bei mir steht hier das meiste auf “Nur Freunde”. Außerdem gibt es auf der vorigen Seite oben noch unter der Überschrift “Auf Facebook vernetzen” und unten bei “Anwendungen und Webseiten” weitere wichtige Einstellungen, die ebenfalls den eigenen Wünschen nach eingestellt werden sollten.

Zur Kontrolle der getroffenen Einstellungen gibt es auch die Möglichkeit, das eigene Profil mit eingeschränkten Berechtigungen anzusehen. Unter “Konto, Privatsphäre-Einstellungen, Einstellungen anzeigen, Vorschau für mein Profil” wird entweder die Sicht von Fremden oder einer auswählbaren bestimmten Person aufs eigene Profil simuliert. Dies sollte wirklich jeder mindestens ein Mal überprüft haben, um keine Überraschungen zu erleben.

Immer wieder gibt es Berichte, dass Leute “wegen Facebook” ihren Job verloren haben, weil sie sich über den Chef beschwert haben – oder ähnliches. Dabei wird oft nicht beachtet, dass es sich einfach um ein neues Medium handelt, das sowohl für gute als auch für schlechte Dinge benutzt werden kann. Diese Fälle sind immer ganz klar einem mangelnden Bewusstsein der betroffenen Person über die Folgen des eigenen Handelns zuzuschreiben. Oft wurde einfach nicht bedacht, dass die verhängnisvolle Information für den Chef selbst oder für andere Kollegen sichtbar ist. Für die alten Medien ist so eine Schlagzeile aber natürlich ein gefundenes Fressen: “Kündigung wegen Facebook!

Etwas kniffliger, aber ebenfalls sehr zu empfehlen ist das Anlegen von Freundeslisten. So lassen sich alle Kontakte in Gruppen einteilen, was eine genaue Steuerung der Sichtbarkeit von eigenen Inhalten (wie Status Updates, Fotos etc.) ermöglicht. Ich habe zum Beispiel einige Freunde aus dem Ausland, die kein Deutsch verstehen, und möchte sie nicht mit irgendwelchen Inhalten auf Deutsch nerven. Es gibt da zwei Möglichkeiten: Entweder eine Liste aller Deutschsprachigen anlegen, oder eine Liste aller Freunde, die kein Deutsch sprechen. Bei einem entsprechenden Eintrag kann dann unten bei dem Schloss unter “Benutzerdefiniert” die Sichtbarkeit eingestellt werden.

Möglichkeit 1
Whitelist

Möglichkeit 2
Blacklist

Mit dem Verändern der Standardeinstellung kann Zeit gespart werden, wenn dies öfter benötigt wird. Diese Maske taucht außerdem auch bei vielen Privatsphäre-Einstellungen auf und bietet dort sehr umfangreiche Möglichkeiten. Zum Beispiel, dass nur ein Teil der Freunde die eigene Telefonnummer sehen kann oder dass eine bestimmte Freundesliste (oder auch einzelne Person) die eigenen Posts nicht kommentieren kann.

Nach dem Anlegen von sinnvollen Listen kann übrigens auch die Online-Sichtbarkeit im Chat pro Liste geregelt werden.

Chat

Noch ein Tipp am Rande: Da das Chat-Fenster innerhalb von Facebook recht klein und wenig komfortabel ist, empfehle ich einen der kostenlosen Instant-Messenger zu verwenden, in die der Facebook-Chat integriert werden kann (mein Favorit: Pidgin). Zur Freischaltung dieser Möglichkeit ist ein Besuch dieser Seite notwendig, wo auch die entsprechenden Einstellungen für den Messenger zu finden sind. Außerdem benötigt man dafür einen Benutzernamen, der nebenbei auch statt der E-Mail-Adresse für die Anmeldung bei Facebook benutzt werden kann (ist meist kürzer).

Vorurteil: “Facebook verkauft Daten der Benutzer an andere Firmen! Wie kommen sie sonst an Geld?”

Das meiste Geld wird mit Werbung verdient, denn hier kann das Social Network ein hochinteressantes Modell anbieten. Die große Benutzerdatenbank kann zur Schaltung von Werbung für einen bestimmten Personenkreis (Alter, Geschlecht, Arbeitgeber, Wohnort) genutzt werden. Es ist offensichtlich, dass diese gezielte Art der Werbung erfolgsversprechender ist als viele andere und sich damit auch besser verkaufen lässt. Die Daten der Kunden werden nicht an die Werbepartner “verkauft”, sondern Facebook bietet an, deren Anzeigen beim optimalen Kundenkreis zu schalten. Ein deutsches Unternehmen, das Fotoapparate verkauft, könnte seine Werbung also beispielsweise nur bei deutschen Benutzern einer bestimmten Altersgruppe, die sich für das Fotografieren interessieren, schalten lassen (um nur eines der vielen denkbaren Beispiele zu nennen). Ich denke daher nicht, dass es das Unternehmen mit einem Marktwert von derzeit ca. 50 Milliarden US-Dollar nötig hat, illegal Daten zu verkaufen. Schließlich würden sie damit ihre starke Marktposition gefährden.

Vorsicht ist allerdings bei Applikationen anderer Hersteller geboten, die über Facebook benutzt werden können. Bevor persönliche Daten an Applikationen weitergegeben werden, wird der Benutzer mit einer genauen Auflistung der zu übertragenden Daten um Zustimmung gefragt. Leider ist bisher mein Eindruck, dass diese Freigabe von vielen Anwendern überhaupt nicht ernst genommen und deshalb gar nicht gelesen wird, bevor reflexartig auf “Zulassen” geklickt wird. Ich empfehle, sich bei jeder Applikation diese Daten genau unter dem Gesichtspunkt anzusehen, ob diese für das Arbeiten mit der Applikation wirklich notwendig sind. Fordert eine Applikation mehr als benötigt, würde ich von der Verwendung abraten, wie bei folgendem (sicherlich extremen) Beispiel für ein bestimmt nur sehr bedingt nützliches Quiz.

Datenfreigabe

Durch Unachtsamkeit vieler Benutzer verbreiten sich solche Applikationen leider erstaunlich gut. Immer wieder tauchen auch neue Applikationen auf, die versprechen Aufrufe des eigenen Profils anzuzeigen. Diese Funktion ist allerdings überhaupt kein Bestandteil der Funktionen, die Facebook für Entwickler von Applikationen anbietet. Es handelt sich stets um irgendwelche zwielichtigen Datensammler oder Abofallen. Auch sind in letzter Zeit Angebote weit verbreitet, wo man erst “Schritte absolvieren” muss, um ein Video oder Ähnliches zu sehen. Einer der Schritte ist der Klick auf “Gefällt mir!” und damit direkt ein Eintrag im News Feed der Freunde, dass einem dies gefallen hat. Unabhängig vom angebotenen Inhalt, sollte hier doch eigentlich jeder stutzen. Ich will doch selbst entscheiden, was ich via “Gefällt mir!” meinen Freunden empfehle und nicht die sprichwörtliche Katze im Sack verkaufen. Anscheinend ist bei vielen die Neugier aufgrund des grundsätzlich sehr reißerischen Titels so groß, dass sie dennoch drauf klicken. Vielleicht sind sich viele auch nicht darüber bewusst, dass sie sich damit bei vielen ihrer Facebook-Freunde lächerlich machen.

Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen immer wieder auftauchenden Versionen des “Dislike”-Buttons (oder der deutschen Kopie, dem “Gefällt mir nicht”-Button). Die Funktion, mit einem Klick das Gegenteil von “gefällt mir” zu äußern, wurde von Facebook bisher nicht eingeführt und ich halte dies nicht für ein geeignetes Gebiet von Drittanbieterapplikationen. Dennoch lese ich so etwas öfter mal in meinem News Feed, da einige Leute diese Applikationen immer wieder ausprobieren. Meist haben diese Applikationen einen betrügerischen Hintergrund und wer weiß, was sie mit den von den Benutzern freigegebenen Daten anstellen?

Vorurteil: “Facebook ist nur eine Modeerscheinung!”

Ich weiß nicht, worauf sich hier berufen wird, aber die Statistiken sprechen eine völlig andere Sprache. Aktuell gibt es 600 Millionen Benutzer weltweit, davon 15 Millionen aus Deutschland. 50% der Benutzer loggen sich täglich ein und die Amerikaner verbrachten 2010 durchschnittlich 7 Stunden im Monat dort (in Deutschland dürfte es ähnlich sein). Diese enorme Anzahl der Benutzer und erst recht die ablesbare Langzeitmotivation klingt für mich nach allem anderen als einer Modeerscheinung. Zudem hatte dieses neue Medium in den letzten Jahren auch mehrfach schon eine gewisse Relevanz in der Politik, wie aktuell in Ägypten.

Vorurteil: “Facebook ist oberflächlich und für Leute, die zu wenige echte Freunde haben!”

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis werden auf Facebook fast ausschließlich Verbindungen zu Kontakten aufgebaut, die man schon vorher kannte. Schließlich sind das die Leute, deren Status und Empfehlungen für einen selbst am interessantesten sind. Sicher gibt es auch die Möglichkeit, neue Leute über Facebook kennenzulernen, die ähnliche Interessen haben, aber ich denke so kommt nur eine Minderheit der Facebook-Freundschaften zustande. Bei Kritikern auch weit verbreitet ist die Ansicht, dass sich in sozialen Netzwerken nur oberflächlich mit Kontakten kommunizieren lässt, wo nicht nur ich schon viele gegenteilige Erfahrungen gemacht habe.

Berechtigte Kritik

Zum Schluss möchte ich aber auch noch einige Kritikpunkte aufführen, die meiner Ansicht nach berechtigt sind und wo bei Facebook noch Verbesserungsbedarf besteht.

Wie oben schon erwähnt, sind die standardmäßigen Privatsphäre-Einstellungen meiner Meinung nach deutlich zu öffentlich. Für mich ist es bei so einem Dienst selbstverständlich, diese Einstellungen direkt nach der Registrierung zu überprüfen und meinen Wünschen anzupassen. Vielen ist das aber zu viel Arbeit oder es fehlt einfach die Kenntnis dieser Einstellungsmöglichkeiten. Ich fände es gut, wenn die Privatsphäre-Einstellungen ein Teil der Registrierung bei Facebook wären. Damit wäre sichergestellt, dass sie dem Wunsch der Anwender entsprechen. Vermutlich wird das aufgrund des Umfangs dieser Einstellungen nicht gemacht, da es den Registrierungsprozess für die Benutzer deutlich aufwändiger (und damit vielleicht abschreckend) machen würde.

Mein größter Vorwurf ist der umstrittene “Freundefinder”. Facebook bietet die Möglichkeit, das eigene Adressbuch aus E-Mail-Programmen oder -Diensten hochzuladen. So lassen sich sehr bequem alle Kontakte aus dem Adressbuch bei Facebook suchen. Von den Benutzern dieser Funktion wird meist nicht bedacht, dass damit die E-Mail-Adressen von allen Kontakten an Facebook übergeben werden, womit bestimmt nicht alle einverstanden sind. Insbesondere die, die sich bereits gegen eine Anmeldung beim Social Network entschieden haben. Natürlich dient diese Funktion der Ausbreitung des Netzwerks und einer deutlichen Vereinfachung der Suche nach den bestehenden Freunden, aber moralisch halte ich den Einsatz für mehr als fragwürdig. Die Funktion ist zwar optional, wird jedoch bereits bei der eigenen Registrierung angeboten und nur wer über solche Dinge überhaupt ernsthaft nachdenkt, wird sich gegen die Verwendung entscheiden.

Ähnlich verhält es sich mit den Einladungs-E-Mails, die entweder über den Freundefinder (muss auch dort nochmal bestätigt werden) oder manuell an noch nicht angemeldete Kontakte verschickt werden können. Die Betreffzeile dieser E-Mails lautet “Schau dir meine Fotos auf Facebook an – von dir ist bestimmt auch eins dabei” und das auch ohne das Vorhandensein von entsprechenden Fotos. Die Formulierung finde ich deutlich zu offensiv und störend. Zu großer Verwunderung führt auch, dass in diesen E-Mails schon weitere Kontakte vorgeschlagen werden, die man oft wirklich kennt – hier tauchen nämlich neben einigen Freunden des Einladenden auch alle auf, die bereits die E-Mail-Adresse des Empfängers über den Freundefinder hochgeladen haben. Das löst oft ein komisches Gefühlt aus, wenn Leute aus verschiedenen Lebensbereichen, die sich untereinander überhaupt nicht kennen, vorgeschlagen werden. Ich halte Facebook für einen hervorragenden Dienst mit vielen sehr nützlichen Funktionen und fände es besser, wenn sich die E-Mails auf Tatsachen beschränken würden anstatt auf diese Art mit Fotos zu locken. Der Grund ist wohl ähnlich wie beim Freundefinder, dass so ein höheres Interesse geweckt wird: “Was? Fotos von mir? Da muss ich gleich mal schauen…”
Gefällt mir nicht!

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